Cyber-Versicherung

Einbruch mit Mausklick

Ein Einbruch beginnt nicht immer mit einem eingeschlagenen Fenster. Manchmal genügt ein Mausklick: Kriminelle können über manipulierte Smarthome-Systeme, gehackte WLAN-Router oder kompromittierte Türschlösser in die digitale Infrastruktur eines Hauses eindringen. Die Folgen reichen von Datenverlust und ausgespähten Kamerabildern bis zu manipulierten Heizungs- und Alarmanlagen. Im schlimmsten Fall werden digitale Schlösser ferngesteuert entriegelt und damit ein physischer Einbruch ermöglicht.

Mit der wachsenden Bedrohungslage gewinnt auch der Schutz vor Cyberrisiken an Bedeutung. Der Markt für eigenständige Cyberpolicen wuchs 2024 um rund 13 Prozent, nachdem er bereits im Vorjahr um etwa 10 Prozent zugelegt hatte. Private Haushalte machen daran bislang nur einen kleinen Teil aus. Dennoch können auch sie von Cyberangriffen auf vernetzte Systeme betroffen sein. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) warnt insbesondere vor sogenannten Kumulrisiken: Ein einzelner Vorfall kann viele Versicherte gleichzeitig treffen. Denkbar wäre etwa ein erfolgreicher Angriff auf ein weit verbreitetes Smarthome-System, von dem zahlreiche Haushalte abhängig sind und der erhebliche Schäden verursachen kann.

Für wen sich eine Police lohnt

Eine private Cyberversicherung kann drei Schutzbereiche abdecken: Schäden am eigenen digitalen Zuhause, Ansprüche Dritter sowie Unterstützung im Ernstfall. Zum Schutz vor Eigenschäden gehören je nach Tarif etwa die Reparatur oder Wiederbeschaffung eines durch einen Hackerangriff beschädigten Smarthome-Geräts, beispielsweise einer Kamera, eines Türschlosses oder einer Heizungssteuerung. Auch die Wiederherstellung persönlicher Daten, zusätzliche Telefon- oder Energiekosten sowie finanzielle Folgen von Identitätsmissbrauch und Online-Betrug können versichert sein. Der Haftpflichtteil greift, wenn über das eigene Netzwerk oder ein infiziertes Gerät unbeabsichtigt Schadsoftware verbreitet wird und dadurch andere geschädigt werden. Ergänzend bieten viele Versicherer praktische Hilfe an, etwa über eine Notfall-Hotline, den Zugang zu IT-Fachleuten, Datenrettung und rechtliche Beratung.
Für Eigentümer mit umfangreicher digitaler Haustechnik kann eine Cyberversicherung sinnvoll sein. Das gilt etwa bei smarten Türschlössern, Kameras, Alarmanlagen, Heizungs- oder Photovoltaik-Steuerungen. Auch wer eine Ferienwohnung aus der Ferne verwaltet, ein vermietetes Objekt digital überwacht oder im Homeoffice mit sensiblen Daten arbeitet, sollte mögliche Lücken prüfen.

Individuelle Situation besprechen

Vor dem Abschluss empfiehlt es sich, zunächst eine Liste aller vernetzten Geräte zu erstellen und zu prüfen, welche Risiken bereits über die Hausrat-, Wohngebäude- oder Haftpflichtversicherung abgedeckt sind. In den Vertragsbedingungen sollte insbesondere auf den Einschluss fest eingebauter Komponenten, Datenverlust, Onlinebetrug und Schäden gegenüber Dritten geachtet werden. Ebenso relevant sind Entschädigungsgrenzen, Selbstbeteiligungen und Ausschlüsse – etwa für veraltete Geräte, fehlende Updates oder Cloud-Ausfälle. Im Gespräch mit dem Versicherer lässt sich anhand des individuellen Risikoprofils und konkreter Szenarien klären, welche Schäden abgedeckt sind, wo Leistungslücken bestehen und welche Unterstützung im Ernstfall zur Verfügung steht.

Astrid Zehbe

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