Wohnungsmarkt
Eigentum als Motor der neuen Landlust
Vor allem Familien nutzen den Umzug aufs Land, um den Wunsch nach den eigenen vier Wänden zu verwirklichen. Zugleich engagieren sich private Eigentümer dort als Vermieter und Investoren. Beides könnte helfen, den bevorstehenden Generationenwechsel bei Immobilien in ländlichen Regionen abzufedern.
Raus aus der Großstadt, hinein ins eigene Haus. Was häufig als „neue Landlust“ beschrieben wird, hat nach Erkenntnissen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) viel mit veränderten Rahmenbedingungen zu tun. Wohnraummangel und hohe Wohnkosten in den Ballungsräumen, neue Möglichkeiten des mobilen Arbeitens und ein verbessertes Arbeitsplatzangebot in ländlichen Regionen erweitern den Suchradius vieler Haushalte. Besonders Familien zieht es in kleinere Städte und Gemeinden. Dort können sie häufiger verwirklichen, was in angespannten städtischen Wohnungsmärkten schwer erreichbar ist: mehr Wohnfläche und Eigentum.
Mehr Eigentum, mehr Wohnfläche
Steigende Wohnkosten in den Städten, bessere Möglichkeiten für mobiles Arbeiten und attraktive Lebensbedingungen im ländlichen Raum erweitern den Suchradius vieler Haushalte. Besonders Familien profitieren von größerem Wohnraum und besseren Chancen auf Wohneigentum.
Bei Haushalten, die aus Großstädten in ländliche Regionen ziehen, steigt die Eigentumsquote laut BBSR von 20 auf 52 Prozent. Auch die Wohnfläche wächst deutlich. Das Eigenheim bleibt damit die bevorzugte Wohnform. Dabei rückt nicht nur der Neubau, sondern auch die Nutzung bestehender Gebäude zunehmend in den Fokus.
Nicht nur der Neubau entscheidet
Für die Attraktivität ländlicher Räume ist deshalb entscheidend, ob passende Immobilien verfügbar sind. Damit erhält Eigentumsbildung auch eine regionalpolitische Dimension. Wo bezahlbare Häuser, Grundstücke oder geeignete Bestandsimmobilien vorhanden sind, können ländliche Gemeinden Haushalte binden oder neu gewinnen.
Private Eigentümer investieren auch auf dem Land
Zum Bild ländlicher Wohnungsmärkte gehören jedoch nicht nur selbst genutzte Eigenheime. Private Eigentümer stellen bundesweit rund zwei Drittel des Mietwohnungsangebotes. Auch im ländlichen Raum ist dieses Engagement deutlich sichtbar. Privateigentümer investieren anteilig etwas häufiger in ländlichen als in städtischen Gebieten. In schrumpfenden oder stagnierenden Gemeinden wurden mehr als 80 Prozent des nach 2017 erworbenen und zu Vermietungszwecken gehaltenen Wohnungs- und Gebäudeeigentums investiv erworben.
Hinzu kommt, dass der Leerstand privater Mietwohnungen im ländlichen Raum sogar etwas niedriger als im städtischen Raum ist. Private Eigentümer tragen somit auch außerhalb der Ballungsräume dazu bei, vorhandenen Wohnraum zu bewirtschaften und am Markt zu halten.
Kann die neue Landlust den „Silver Tsunami“ abfedern?
Aktuell treffen zwei Entwicklungen aufeinander: Auf der einen Seite steht eine älter werdende Generation von Immobilieneigentümern, auf der anderen Seite gewinnen ländliche Regionen Familien, Rückkehrende und Haushalte im mittleren Erwerbsalter. Die Wanderungsanalyse zeigt zwar weiterhin deutliche Unterschiede nach Lebensphase – junge Erwachsene zieht es häufig zunächst in die Großstädte –, doch der Vorsprung der Städte bei den 25- bis 29-Jährigen hat sich zuletzt deutlich verringert. Gleichzeitig profitieren ländliche Räume besonders von Familien im Eigentumsbildungsalter.
Eine stabile Nachfrage nach Wohneigentum könnte dazu beitragen, dass Häuser und Wohnungen, die im Zuge des demografischen Generationenwechsels frei werden, neue Eigentümer finden und weiter genutzt werden. Ein solcher Effekt könnte den vielfach als „Silver Tsunami“ bezeichneten altersbedingten Eigentümerwechsel in manchen ländlichen Regionen abfedern.
Eigentum schafft Perspektiven
Wer über die Zukunft ländlicher Räume spricht, sollte Eigentum und Eigentumsbildung mitdenken. Das selbst genutzte Haus ermöglicht vielen Haushalten erst den Schritt aufs Land. Gleichzeitig sorgen private Vermieter dafür, dass auch jenseits der großen Städte Mietwohnungen angeboten und Bestände erhalten werden. Das kann in den kommenden Jahren zusätzlich an Bedeutung gewinnen. Gelingt es, den Generationenwechsel im Immobilienbestand mit der Nachfrage neuer Eigentümer zusammenzubringen, können bestehende Gebäude weiter genutzt, Leerstände vermieden und Vermögen an eine neue Eigentümergeneration weitergegeben werden. Eigentum wäre damit nicht nur Ausdruck der neuen Attraktivität ländlicher Räume, sondern könnte selbst zu einem Faktor für deren langfristige Stabilität werden.
Jakob Grimm

